Wann Case Studies im Rekrutierungsprozess wirklich Mehrwert schaffen
Eine gute Case Study prüft nicht, wer am schönsten präsentiert.
Sie zeigt, wie eine Person denkt, analysiert und Entscheidungen herleitet.
Bei Führungsrollen, Beratungsfunktionen oder Sales-Positionen können Case Studies wertvolle Einblicke geben. Oft werden sie bei unseren Kunden als Ersatz oder Ergänzung zu Assessments eingesetzt.
In der Praxis sehen wir meist zwei Ansätze:
• Generische Case Studies
Sie sind standardisiert, gut vergleichbar und für alle Kandidat:innen gleich aufgebaut. Der Unternehmensbezug ist meist eher gering.
• Rollen- bzw. kandidatenspezifische Case Studies
Sie orientieren sich stärker an realen Herausforderungen der Position und sind klarer auf die Aufgabe im Unternehmen ausgerichtet. Teilweise werden sie auch genutzt, um Hypothesen zu Stärken, Erfahrungen oder Entwicklungsfeldern von Kandidat:innen zu prüfen.
• Beide Varianten können sinnvoll sein: Generische Cases schaffen Vergleichbarkeit, individuelle Cases zeigen oft besser die Passung zur konkreten Rolle.
Wichtig:
Eine Case Study sollte den Gesamteindruck abrunden, aber nie strukturierte, rollenspezifische Gespräche ersetzen.
Wovon wir abraten:
• Fiktive Aufgaben mit viel Interpretationsspielraum.
Stattdessen: klarer Bezug zu Unternehmen, Rolle und Aufgabe.
• Zu umfassende Aufgabenstellungen mit zu vielen Themen gleichzeitig.
Stattdessen: ein klares Kernthema wählen und Raum für Diskussion und Vertiefung lassen.
• Aufgaben, die erst kurz vor dem Termin kommuniziert werden.
Stattdessen: faire Vorbereitungszeit gewähren. Interne Meetings und Kundentermine werden schliesslich auch vorbereitet.
• Die Vorgabe eines bestimmten Präsentationstools.
Stattdessen: Infrastruktur klar kommunizieren und offen für unterschiedliche Präsentationsformen bleiben.
• Fehlende Bewertungskriterien.
Stattdessen: vorab definieren, nach welchen Kriterien die Case Study beurteilt wird, und sicherstellen, dass alle internen Teilnehmenden dieselbe Erwartungshaltung haben.
• Rollenspiele ohne klares Ziel.
Sie wirken meist künstlich und können eine unproduktive Dynamik erzeugen.
• Eine konfrontative Stimmung während der Präsentation.
Stattdessen: professionell, kritisch und offen auftreten. Denn auch Kandidat:innen entscheiden sich für oder gegen ein Unternehmen.
Aus unserer Erfahrung zeigt sich: Case Studies schaffen dann Mehrwert, wenn sie klar, fair und nahe an der tatsächlichen Rolle gestaltet sind.
Gerade bei anspruchsvollen Besetzungen lohnt es sich, den Auswahlprozess bewusst zu strukturieren. So entstehen bessere Entscheidungsgrundlagen und ein professioneller Eindruck bei Kandidat:innen.